Mein Messejahr 2025

Zwischen Creator-Realität, Leseliebe und bewussten Entscheidungen

2025 war für mich ein besonderes Messejahr.
Nicht, weil ich mehr Messen besucht habe als sonst – sondern weil sich mein Blick darauf verändert hat.

Früher hatte ich oft das Gefühl, auf jeder Messe dabei sein zu müssen. Alles mitzunehmen. Nichts zu verpassen.
Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal gemerkt: Das passt so nicht mehr zu mir.

Ich war unterwegs als Buchbloggerin und Content Creatorin – aber auch ganz bewusst als Leserin, die ihre Energie, ihre Zeit und ihre Grenzen ernst nimmt. Manche Messen haben mir unglaublich viel gegeben. Andere haben mir sehr klar gezeigt, wo ein Nein wichtiger ist als ein weiteres Ja.

Dieser Beitrag ist kein klassischer Messebericht.
Es ist ein ehrlicher Rückblick – mit Learnings, Grenzen und Entscheidungen.


Leipzig – laut, voll und trotzdem mein Highlight

Leipzig war der Start meines Messejahres – und Leipzig ist einfach immer Leipzig.
Voll. Laut. Intensiv. Und trotzdem jedes Mal besonders.

Ich liebe die Mischung aus Messe und Stadt. Auch wenn die Menschenmassen gigantisch sind, habe ich das Gefühl, dass sich alles irgendwie verläuft. Ich finde dort immer meine Ruhe-Spots, meine kleinen Rückzugsorte. Orte, an denen ich sitzen, lesen, beobachten und kurz durchatmen kann.

2025 war Leipzig wieder ein Erlebnis:
Gespräche mit Autor:innen, spontane Unterhaltungen mit völlig fremden Menschen über Bücher, gemeinsames Lachen, Austausch. Nicht alles war perfekt, nicht alles content-optimiert – aber es war echt.

Learning:
Eine Messe darf anstrengend sein, wenn sie mir gleichzeitig Energie zurückgibt.

Entscheidung:
Leipzig bleibt gesetzt. Immer.


Seitenzauber – klein, nahbar und intensiv

Nach Leipzig kam die Seitenzauber.
Eine kleinere Messe, überschaubar, persönlich – genau das, was ich an Buchmessen sehr schätze.

Hier habe ich wieder gemerkt, wie wertvoll Nähe sein kann: Zeit für Gespräche, echte Begegnungen, kein permanenter Reizüberfluss. Gleichzeitig habe ich aber auch gespürt, dass selbst kleine Messen Energie kosten. Gerade als Creatorin ist man nie einfach nur „da“. Man nimmt auf, beobachtet, verarbeitet, sortiert.

Learning:
Kleine Messen sind emotional oft genauso intensiv wie große. Nähe ist schön – braucht aber genauso Pausen.


Buch Berlin – viel Herz, viel Aufwand

Die Buch Berlin besuche ich seit Jahren regelmäßig. Ich freue mich jedes Mal darauf, auch wenn sie für mich organisatorisch immer ein Kraftakt ist:
Freitag arbeiten, anreisen, Samstag und Sonntag Messe, Sonntag zurück, Montag wieder Job.

Was die Buch Berlin besonders macht, ist ihr starker Fokus auf Selfpublisher. Sie ist klein, süß, persönlich. Normalerweise hat man Zeit für Gespräche und Austausch.

2025 war ich sehr spät dran und habe keinen Blogger-Ausweis mehr bekommen. Ich bin trotzdem hingefahren – bewusst.
Der Samstag war extrem voll, schon zur Öffnung. Ich habe bekannte Gesichter gesehen, neue Menschen kennengelernt, Bücher gekauft und schöne Gespräche geführt. Weniger als sonst – was ich vollkommen verstehe. Autor:innen und Verlage investieren viel Geld in ihre Stände, da steht der Verkauf im Vordergrund.

Der Sonntag war dann ein Wendepunkt für mich.
Ich habe mich entschieden, nicht mehr auf die Messe zu gehen. Stattdessen habe ich Berlin angeschaut, bin spazieren gegangen, habe gelesen und bin danach nach Hause gefahren.

Learning:
Ich muss nicht jeden Messetag mitnehmen, nur weil ich vor Ort bin.

Entscheidung für 2026:
So sehr ich die Buch Berlin mag – ich werde sie 2026 nicht besuchen. Der Aufwand steht für mich nicht mehr im Verhältnis, vor allem, da es zeitgleich nähere Alternativen gibt.


Frankfurter Buchmesse – die bewusste Nicht-Teilnahme

Die Frankfurter Buchmesse war dieses Jahr vor allem eines: ein innerer Konflikt.
Ich hatte bereits mehrere Messen hinter mir und gemerkt, dass sich mein Verhältnis zu Buchmessen verändert hat.

Ich wollte keine Bücher kaufen.
Ich wollte Gespräche, Austausch, Neues entdecken – ohne Kaufdruck.

Mein Antrag für einen Blogger-Ausweis für die Ausstellertage wurde abgelehnt. Und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mir: Eigentlich passt es gerade nicht.

Als ich später die Bilder der Menschenmassen gesehen habe – selbst an den Fachbesuchertagen – wusste ich, dass es die richtige Entscheidung war.

Learning:
Nicht hinzugehen kann genauso bewusst sein wie hinzugehen.
FOMO ist kein guter Grund für eine Messe.


Augsburg – wenn der Körper Stopp sagt

Die Buchmesse Augsburg war für mich eigentlich fest eingeplant. Andere Region, andere Selfpublisher, neue Stimmen. Außerdem fand sie dieses Jahr in einer größeren Location statt, was ich grundsätzlich sehr begrüße.

Doch mein Körper hatte andere Pläne.
Meine Schulter hat massiv Probleme gemacht, ich hatte starke Schmerzen. Also habe ich mich entschieden, nicht hinzugehen.

Learning:
Gesundheit ist keine Verhandlungsmasse.
Ein Nein aus körperlichen Gründen ist kein Versagen.


Mein Fazit – und mein Blick auf 2026

2025 hat mir sehr klar gezeigt, dass ich Buchmessen nicht mehr „abarbeite“.
Ich wähle aus. Ich höre auf mich. Und ich erlaube mir, Dinge anders zu machen als früher.

Für 2026 bedeutet das:

  • Leipzig: Ja.

  • Frankfurt: offen, aber kritisch.

  • Buch Berlin: Nein.

  • Kleinere Events in der Nähe: Ja, wenn sie sich richtig anfühlen.

  • Mehr Fokus auf Lesungen, Meet & Greets und ruhigere Formate.

Ich bin Content Creatorin.
Aber ich bin auch Leserin.
Und beides darf Platz haben – ohne mich zu überfordern.

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